Das russische Erdgasförderungsunternehmen Gazprom setzt die deutschen Stromkonzerne unter Druck. Das Unternehmen, welches mit einer Marktkapitalisierung von 110 Milliarden US-Dollar zu den größten und einflussreichsten Unternehmen Europas zählt, will sich nicht von den jüngsten Expansionsplänen abbringen lassen. Gazprom will sich auf dem deutschen Energiemarkt positionieren, auch wenn Kooperationsgespräche mit dem deutschen Strom- und Gasanbieter RWE scheiterten - notfalls auch mit rechtlichen Mitteln.
Kooperationsgespräche mit RWE gescheitert - Bundeswirtschaftsministerium will sorgfältig prüfen
Bisher ist es Gazprom nicht gelungen, sich als Energieanbieter am deutschen Energiemarkt positionieren zu können. Unlängst scheiterten Kooperationsgespräche mit dem deutschen Strom- und Gasanbieter RWE. Gazprom wollte sich beim Bau neuer Kraftwerke beteiligen. In Russland hält der Konzern das Energiemonopol, im Jahr 1992 wurde der ehemalige Staatskonzern in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Heute beschäftigt Gazprom 445.000 Menschen. Etwa ein Viertel des europäischen Gasverbrauches wird durch das Unternehmen gedeckt, in Deutschland ist der Konzern der größte Erdgaslieferant.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat angekündigt, auch in Zukunft genauestens die Engagements von Gazprom auf dem deutschen Markt prüfen zu wollen. Es scheint, als wolle das Unternehmen nun über kleinere Versorger und Stadtwerke an Endkunden gelangen. So übernahm der russische Gasriese im November 2011 den hessischen Versorger Envacom, vor wenigen Tagen wurde eine Anteilserhöhung bei der VNG durch das Bundeskartellamt genehmigt. Gazprom hält nun 10,52 Prozent der Anteile der ostdeutschen Ferngasgesellschaft.
Gazprom droht mit rechtlichen Mitteln
Gazprom diskutiert momentan mit der Europäischen Kommission, dabei geht es um eine Trennung des Pipeline-Betriebs von der Gasförderung. Notfalls wolle sich Gazprom mit allen zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln wehren, man spricht derzeit davon, rechtliche Schritte zu prüfen.