Die erneute Herabstufung der Bonität von neun europäischen Staaten durch die Rating-Agentur Standard & Poors (S&P) hat auch beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Besorgnis hervorgerufen. Der Vize-Chef des IWF, David Lipton, fordert daher dringend das Ankurbeln der Wirtschaft in der Eurozone.
Der IWF befürchtet nach der Herabstufung durch S&P, von der sogar Staaten mit einem bisherigen Top-Rating (AAA) wie Frankreich betroffen waren, einen weiteren Vertrauensverlust, der zu einem regelrechten Abwärtssog führen könnte. Aber nicht nur der Vertrauensverlust wird als Gefahr gesehen, sondern es werden zudem noch "greifbarere" negative Auswirkungen befürchtet. Dazu zählen zum Beispiel eine stagnierende Wirtschaft sowie der Verlust von Arbeitsplätzen. Die Hauptforderung des IWF-Vize besteht darin, dass zum Ankurbeln der Wirtschaft zunächst auf eine noch straffere Geldpolitik verzichtet werden sollte.
Kritik vom deutschen Finanzminister
Während der IWF die Herabstufung durch S&P sehr ernst nimmt, hält der deutsche Finanzminister Schäuble das Vorgehen von S&P für nicht richtig. Er kritisiert vor allem, dass die Rating-Agentur anscheinend nicht verstanden habe, dass in Europa bereits wirksame Maßnahmen zum Ankurbeln der Wirtschaft und zur Verbesserung der Haushaltslage der betroffenen Staaten in die Wege geleitet wurden. Ferner sieht der Bundesfinanzminister auch keine Notwendigkeit, den bisherigen deutschen Garantierahmen für den EFSF über 211 Milliarden zu diesem Zeitpunkt zu erhöhen.