E10, als Treibstoff mit einem höheren Ethanolanteil an deutschen Tankstellen seit 2011 angeboten, hat sich nicht nur auf dem deutschen Markt nicht komplett durchsetzen können, sondern gerät nun auch politisch wieder stärker in die Kritik. Entwicklungsminister Niebel befürwortet aktuell sogar einen direkten Verkaufsstopp des vermeintlich ökologischeren Kraftstoffs, der zwar einige Cent preiswerter ist als klassisches Benzin, dennoch von deutschen Fahrzeughaltern eher gemieden wurde.
Gerade im Hinblick auf die aktuellen Dürren in den Vereinigten Staaten und die generell steigenden Rohstoffpreise auf den Weltmärkten sei es nur noch schwer nachvollziehbar, das Nutzungsflächen alleine für den Treibstoffanbau verwendet würden und eine Verbrennung potenzieller Nahrungsmittel stattfände. Die Ernährung bedürftiger Menschen sollte stärker in den Vordergrund gesetzt werden als die Vermarktung umweltfreundlicherer Treibstoffe.
Biospritbranche wehrt sich gegen Kritik
Für den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie ist die Aufforderung Niebels aktuell nicht nachzuvollziehen, eine direkte Verbindung zwischen den in Deutschland in einem geringen Maße verwendeten Getreide zur Bioethanolproduktion und den Ernährungsproblemen in den Entwicklungsländern kann nicht erkannt werden.
Aus dem Bundesumweltministerium blieben die Aussagen Niebels zunächst unkommentiert, zur Einführung des Kraftstoffes E10 sieht man sich hier vor allem durch die entsprechenden Direktiven der Europäischen Union angehalten. Generelle Kritik erntete Niebel jedoch für den Zeitpunkt seines Anmahnens, da die Tatsachen seit Jahren hinlänglich bekannt wären. Da die schwarz-gelbe Regierung selbst den Treibstoff E10 in Deutschland auf den Weg gebracht hatte, bleibt ein Nachgeschmack.